Immobilienfinanzierung geht neue Wege

Seit der weltweiten Finanzkrise ab 2009 ist die Bankenlandschaft in Deutschland in einen umfangreichen Veränderungsprozess eingetreten. Strengere Kreditvergaberegeln sollen seit dem dafür sorgen, dass sich die Situation nicht wiederholt. Der Umbau ist noch längst nicht abgeschlossen – aber schon machen neue Kräfte ihren Einfluss auf die Finanzwelt geltend.

Immobilienkredite kommen immer häufiger aus dem Internet. FinTechs und Online-Plattformen drängen stärker auf den Kreditmarkt. Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: Banken müssen flexibler werden, um den Trend nicht zu verpassen. Denn die neuen Wettbewerber und Technologien bieten Kunden viele Vorteile.

Was bei Start-ups schon gang und gäbe ist, bildet bei der Immobilienfinanzierung noch das berühmte Neuland. Doch Crowdlending – eine Alternative zum klassischen Bankenkredit – ist auf dem Vormarsch. Es geht um einen Billionen-Markt, denn allein die Wohnimmobilienkredite in Deutschland umfassen einen Wert von rund 1.200 Milliarden Euro.

In der gewerblichen Finanzierung haben sich FinTechs bereits etabliert. Bei der privaten Immobilienfinanzierung sieht das derzeit noch anders aus, doch auch dieser Markt wird immer digitaler, Prozesse werden beschleunigt, die Zeit zwischen Antrag und Kreditzusage wird kürzer, das Angebot vielfältiger. Die Kunden können flexibler agieren, der Markt wird dadurch schneller. FinTechs decken unter anderem oft riskantere Kredite ab, die Banken nicht übernehmen. Das bietet auch Potenziale zur Immobilienfinanzierung. Doch es gibt auch bereits ein Crowdfunding-Immobilienprojekt, das Schiffbruch erlitten hat.

„Die neuen Angebote (…) werden die klassischen Anbieter nicht vollständig verdrängen“, vermutet IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer. Die Reputation bei den Kunden fehlt noch und kann nur allmählich aufgebaut werden. Die etablierten Banken punkten derzeit mit ihren Größenvorteilen, müssen sich der rasanten Entwicklung jedoch kontinuierlich anpassen und schlankere, flexiblere Strukturen aufbauen, um zukünftig mithalten zu können.

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